Wein am Abend? Ist das gut?
Oder gärt er im Bauch, während ich schlafe?

In unserem Darm ist viel los. Vor allem im Dickdarm leben viele Mikroorganismen, etwa 10 Billionen Darmbakterien. Diese Darmflora hilft uns bei der Verdauung von Ballaststoffen, neutralisiert Giftstoffe, stärkt die Immunabwehr und produziert für uns wichtige Vitamine (Biotin, Folsäure, Riboflavin sowie Vitamin B12 und Vitamin K). Aufgenommener Zucker (Kohlenhydrate) wird durch bakterielle Gärpozesse (Fermentation) abgebaut. Dabei entstehen Gase, die Völlegefühl, Übelkeit, Aufstoßen und Blähungen bis hin zum Durchfall verursachen können. Süßspeisen und kohlehydratreiche Getränke wie Apfelsaft, Schaumwein oder Bier verstärken diesen Prozess. Trockener Weißwein hat nur wenig Restzucker und ist daher am Abend bekömmlicher.

Wieso fühle ich mich wohler,
wenn ich ein Glas Wein getrunken habe?

Alkohol hat eine Auswirkung auf unseren Körper, das ist unbestritten. Wie er wirkt, hängt aber in erster Linie von der Menge ab.

Unter Alkoholeinfluss entspannen wir anfangs, wir werden gelassener und enthemmter, sind euphorisch und einfach gut drauf.

Diese Wirkung wird durch Botenstoffe im Gehirn vermittelt. Es kommt zur Ausschüttung der anregenden Stresshormone Adrenalin und Cortisol und den Glückshormonen Serotonin und Dopamin. Darüberhinaus wird der aktivierende Botenstoff Glutamat gedämpft und die hemmende Wirkung von GABA verstärkt. Letzteres erklärt die entspannende Wirkung. Jedoch schwindet mit zunehmender Alkoholmenge unsere Reaktionsfähigkeit allmählich und wir werden müde. Ein Gläschen zuviel bewirkt Gleichgewichtsstörungen, die Risikobereitschaft nimmt zu und die Aussprache wird undeutlich. In geringen Mengen und nicht regelmäßig ist Wein durchaus ein Genussmittel. Zum gezielten Stressabbau oder zur Hebung der Stimmung ist er jedoch nicht geeignet. Hier empfehle ich etwa Meditation oder Sport – und den Wein erst ins Glas gießen, wenn wir uns bereits wohlfühlen.

Zeichnung eines Mannes

Wein am Abend? Schlafe ich dann besser?

Durch Wein am Abend werden wir abhängig von der Menge müde. Unsere Hirntätigkeit wird herabgesetzt, sodass die Gedanken nicht mehr endlos kreisen und wir vergessen den Stress des Tages. Schon bald kommt die nötige Bettschwere, wir schlafen mit Alkohol tatsächlich leichter ein. Alkohol hat in der ersten Nachthälfte einen stabilisierenden Wirkung auf den Schlaf. In der zweiten Nachthälfte kann jedoch der gegenteilige Effekt auftreten. Unser Schlaf kann unruhig werden und wir können aufwachen. Alkohol verstärkt zudem den Harndrang, wir verlieren Wasser und müssen nachts eher aufs Klo.

Wein ist also sicherlich kein geeignetes Schlafmittel und schon garnicht regelmäßig. Wenn wir an einem entspannten Abend mal Wein genießen, dann auf ausreichend Wasser zwischendurch nicht vergessen. Rechtzeitig vor dem Schlafengehen sollten wir dann keinen Alkohol mehr trinken und uns bewusst auf den Schlaf vorbereiten. So steht einer erholsamen Nacht nichts im Wege.

Wieviel Wein ist unbedenklich? Bin ich suchtgefährdet?

Zu dieser Frage gibt es große individuelle Unterschiede. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Frauen Alkohol langsamer abbauen als Männer. Die weibliche Leber ist kleiner und enthält weniger des hierfür benötigten Enzyms Alkoholdehydrogenase (ADH). Zudem sind der Wasseranteil und das Verteilungsvolumen der Körper von Frauen geringer. Daher ist die Blutalkoholkonzentration bei gleicher getrunkener Menge höher als bei Männern. Als Fautsregel gilt für Frauen knapp ein Seiterl Bier oder zwei Achterl Wein und bei Männern eine Flasche Bier oder drei Achterl Wein täglich als gesundheitlich unproblematische Grenze.

Alkohol sollten wir aber dennoch nicht täglich trinken. Zu geeigneten Anlässen, am besten in Gesellschaft und in Maßen ist Alkohol sicherlich unbedenklich. Wir sollten Wein nicht trinken, um einen schönen Moment zu haben, sondern um diesen vollkommen zu machen.

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